Frauenunion Erzgebirge unterstützt die Etablierung des Frauengefängnisses Hoheneck als Gedenkstätte

SCHWARZENBERG.

Im März diesen Jahres brachten CDU, FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen einen Entwurf zur Reform des sächsischen Gedenkstättengesetzes in den Sächsischen Landtag ein, mit dem die rechtlichen Voraussetzungen für die institutionelle Förderung weiterer Gedenkstätten des Nazi-Terrorregimes und der DDR-Diktatur geschaffen werden sollen. Das größte Frauengefängnis der DDR – Hoheneck – ist in diesem Gesetzesentwurf aufgenommen. Nahezu 10.000 Frauen, die aus politischen Gründen während der kommunistischen Diktatur inhaftiert wurden, verbüßten hinter diesen Mauern unter menschenverachtenden Bedingungen ihre Haftstrafen, zu denen als „Erziehungsmittel“ auch Dunkel- und Wasserzelle gehörte.

Zur Vergangenheitsaufarbeitung und zum Gedenken der Opfer des SED-Regimes veranstaltete die Frauenunion Erzgebirge im vergangenen und diesem Jahr in Stollberg zwei Veranstaltungen, bei denen Zeitzeugen von ihrer Verurteilung, Inhaftierung im Frauengefängnis Hoheneck und ihren damit verbundenen Schicksalen berichteten. Ellen Thiemann, Tatjana Sterneberg und Inge Naumann, die alle wegen „Republikflucht“ verurteilt wurden, erzählten von extrem hohen Arbeitsnormen sowie mangelndem Arbeitsschutz, unzureichender und ungesunder Ernährung, Schlafentzug und persönlichen Schikanen. Wurde Ellen Thiemann auferlegt, einen „Ernst-Thälmann-Wandteppich“ zu knüpfen, so wurde der mit einem Hüftleiden belasteten Inge Naumann eine Zelle unter dem Dach des Gefängnisses zugeteilt, so dass sie täglich viele Treppen steigen musste.

Eine in den fünfziger Jahren aus politischen Gründen inhaftierte Frau berichtete von unzumutbaren Haftbedingungen hauptsächlich wegen Nahrungs-, Kleidungs- und Ausstattungsengpässen in Hoheneck. In berührender Atmosphäre hörten die zahlreich erschienen Besucher den Schicksalen der politisch Verfolgten zu. In den Diskussionen der beiden Veranstaltungen stellte sich heraus, dass unter den Besuchern Politisch Inhaftierte selbst bzw. Angehörige von ihnen anwesend waren. Über die erlittenen Schicksale hinaus wurde der Bogen in die Gegenwart und Zukunft gespannt: zur „Vergangenheitsbewältigung“ der kommunistischen Diktatur. Neben der Rehabilitation wurden Probleme bei der Kontaktaufnahme zu inoffiziellen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit angesprochen sowie die Organisation im Förderverein mit dem Ziel, eine Gedenkstätte im ehemaligen Frauengefängnis Hoheneck zu errichten.

Die von der Frauenunion Erzgebirge organisierten Veranstaltungen zum ehemaligen Frauengefängnis Hoheneck, bei der auch eine Führung angeboten wurde, stießen auf reges Interesse und große Resonanz, das sich mit einem Besucherkreis in beiden Veranstaltungen von ca. 170 Besuchern wiederspiegelte. DDR-Unrecht darf nicht in Vergessenheit geraten – schon gar nicht in einer Stadt, wo ein Kapitel dunkler Geschichte geschrieben wurde. Das Frauengefängnis Hoheneck soll ein Ort des Erinnerns an schreckliche Geschehnisse von Diktaturen sein und bleiben. Die Frauenunion Erzgebirge unterstützt die Etablierung des Frauengefängnisses Hoheneck als Gedenkstätte.

Bericht: Eva Werner/22.08.2012